Am 16.11.2017 fand die dritte Ausgabe der Mixshow "ZauberWerk" im Theater im Walzwerk in Pulheim statt. Bei dieser besonderen, da Künstlermäßig sehr jungen, Show traten die Zauberkünstler Till Frömmel und Marco Weissenberg auf. Special Guest war der Kabarett-Newcomer Bernard Paschke. Die Moderation übernahm wie immer Theaterleiter Marco Seypelt.

Nach einer kurzen Einführung war es an Till Frömmel - Moderator & Zauberkünstler, den Abend zu beginnen. Und gleich zu Beginn erfuhren die Zuschauer zwei Dinge über den jungen Zauberer: Er mag Punkte, am liebsten auf seinem T-Shirt, und seinen Schuhen, und seinen Socken. Und er kommt von der Ostsee, deshalb der viele, erstaunlich viele Sand.
Und Till machte deutlich, dass auch er bereits etwas über sein Publikum wusste: Jeder Mensch lügt täglich durchschnittlich 200 Mal. Lügner zu entlarven birgt eigentlich gewisse Schwierigkeiten. Nicht aber für den 19-jährigen Zauberkünstler. Ihm war es ein Leichtes zu erraten, welcher der drei freiwilligen Zuschauer eine Münze und wer den Geldschein in der Hand verborgen hielt. Zugegeben: Sein Versuch, aus den Gedanken einer Zuschauerin sogar die letzten drei Zahlen der Seriennummer des Geldscheins zu erraten lief holprig. Aber das konnte man dem sichtlich aufgeregten, sympathischen Bad Doberaner Wirbelwind wirklich nicht übel nehmen.


Nicht weniger wuselig zeigte Till seinem Publikum eine Seilroutine, die zwar etwas aus dem Ruder lief, aber die der Magier geschickt und unterhaltsam zu Ende improvisierte.
Für sein nächstes Kunststück bat Till seine Zuschauer, ihre Lieblingsfilme auf Zettel zu schreiben und in eine Box zu werfen. Seine zuvor getroffene Vorhersage war auf den ersten Blick nicht richtig, dafür aber umso mehr auf den zweiten, "anagrammischen" und den dritten Blick in die DVD-Hülle.

Der zweite Künstler des Abends war der Kabarettist Bernard Paschke. Wer bei Kabarett (und ein bisschen vielleicht auch auf Grund des Vornamens) an einen ehemaligen Politikwissenschaftler, Pädagogen oder Psychologen Mitte 40 im Anzug denkt, der irrt sich. Aber gewaltig. Bernarnd ist 17 Jahre alt, braucht "eine Sondergenehmigung, um so spät noch auf der Bühne zu stehen", witzelte der Moderator, und ist somit wohl einer der jüngsten Kabarettisten Deutschlands. Und genau das war sein Thema. Nachdem "Bernard ohne H" erfolglos das Publikum von einer Vorstellungsrunde mit seinen drei Ws (Wer? Wie alt? Woher?) zu überzeugen versuchte, begann seine Erzählung. Über sein Alter, und die damit verbundene Rolle im "ZDF der Abendprogramme", dem Kabarett, über das Altern und seine Heimatstadt Bonn. Bonn sei eine umweltbewusste Stadt, berichtete Bernard, und dort würde Plastikmüll auch schonmal "ausgewildert". Damit hatte er die 3 Ws bereits auf ausgesprochen unterhaltsame Weise beantwortet.


Um zu verdeutlichen, wie er das Altern an Menschen erlebt, berichtet der junge Künstler über seinen Opa, dessen Alter, das "typisch sei um Papst werden zu können", dessen improvisierten Leichenwagen und das Lebensmotto "Ob sich das noch lohnt?", das selbst beim Sarg-Probeliegen schon Anwendung findet. Doch das dauerhafte Liegen im Sarg habe das Sozialleben des Opas nur ein wenig eingeschränkt. Zwar stehe er oft verschlossen in der Ecke und wolle kaum bei Gesellschaftsspielen wie "Krücket" oder "Hörgeräturnen" teilnehmen. Beim Sarghüpfen sei er aber ganz vorne mit dabei.


Sein Opa habe ihm ein kleines Buch mit Lebensweisheiten überlassen, aus dem der Kabarettist dem Publikum zu gerne etwas vorlas. Es schien ihn jedoch selbst zu überraschen, dass dort keineswegs tiefgehende, hilfreiche Phrasen standen, sondern etwa die Erkenntnis, wie man am leichtesten herausfindet, ob das Licht im geschlossenen Kühlschrank an bleibt, oder die Frage, wie es aussieht, wenn sich Blinde einen hinter die Binde kippen.


Während seines Auftritts in der zweiten Hälfte musste Bernard laut eigener Aussage improvisieren, was ihm aber bestens gelang. So griff er das Thema Trump auf (was ja derzeit in keinem politischen Kabarett fehlen darf) und dessen alten Ferrari, dessen Versteigerung die Erwartungen unterboten hatte. Kein Wunder, meinte der Künstler, die Bremsen hätte man ja vorher...
Bernard ist zwar erst 17, hat aber ein Mundwerk wie ein Großer. Nicht (nur) bezogen auf die Größe; an Sprachgewandheit, Wortwitz und Stand up-Talent steht er seinen älteren Kollegen in Nichts nach. Im Gegenteil: Er schafft es, durch seine Jugendlichkeit der zeitweise doch etwas steifen Kunstform Kabarett eine riesen Portion Lockerheit und Selbstironie zu verleihen. Ich stimme Marco Seypelt voll zu, "Vom dem wird man noch viel hören"!


Wer Bernard selbst mal live erleben will sollte hier mal stöbern: bernardpaschke.de

Marco Weissenberg - Magie Newcomer nennt sich selbst „Magie Newcomer“, ist aber im Theater im Walzwerk eher schon ein alter Hase; umso schöner, dass er nun auch beim ZauberWerk dabei war.


Zaubershows, erzählte der junge Zauberkünstler, liefen immer gleich ab, Tiger, Frauen, Kisten. Bei ihm sei es anders. Er zaubert die meisten seiner Wunder aus einem Pappkarton; sein Markenzeichen, wenn man so will. So lässt er zum Beispiel den Ring einer Zuschauerin durch „eine Mischung aus Wissenschaft und Phantasie“ verschwinden und an einem Ort erscheinen, den die meisten wohl noch aus ihrer Kindheit kennen. Was das Ganze mit einem Smiley-Button und einer Steinschleuder zu tun hat? Das fragt man besten Siri. Nicht die Handystimme. Auch die Zuschauerin, die für dieses Kunststück bei Marco auf der Bühne war, trug diesen ungewöhnlichen Namen. „Sonst wohnt sie im Handy, heute hat sie Freigang“, stellte der aus Unna stammende Magier frech fest.


Nun erzählte Marco einen Schwank aus seinem Leben. Er liebe Filme und Serien, betreibe oft „Bingewatching“, also das ununterbrochene Schauen einer Serie. „The Walking Dead schafft man so in viereinhalb Tagen“, sprach er offenbar aus Erfahrung. Besonders möge er Superhelden-Serien. Und so machte sich der 24-jährige auch Gedanken, wie er selbst als Superheld aussehen würde. Farbe verleihen durfte seinem Mini-Ebenbild aber eine Zuschauerin – und die traf Marcos Vorhersage noch besser als erwartet, sodass der Zauberkünstler die Bühne überaus heldenhaft zur Pause verlassen konnte.


In der zweiten Hälfte der Show ließ Marco sich auf etwas Besonderes ein: Er würde oft gefragt, ob man mal einen Blick in seinen Pappkarton werfen dürfe. Nein. Aber für seine Zuschauer hatte er sich eine Möglichkeit einfallen lassen, trotzdem einen Einblick gewähren zu können. Pappkartons seien etwas sehr Magisches, dort bewahre man nur Dinge auf, die einem wirklich wichtig seien. Dort alles unterzubringen, was man behalten will, manchmal alles umschmeißen zu müssen, damit es hineinpasst, stellte sich auch bei Marcos Kunststück als schwierig heraus, aber niemals unmöglich. Eine wundervolle Nummer, die noch in der Entwicklung steckt, aber auf dessen Weiterführung man sich sehr freuen kann!
Zu guter Letzt nahm Marco seine Zuschauer noch einmal mit in seine Gedankenwelt. Auch „etwas zwischen der analogen und der digitalen Zeit“ der Fotografie hat ihn zu einem Kunststück inspiriert. Ihm gelang es mittels einer Polaroid-Kamera aus den Gedanken einer Zuschauerin ein Bild zu erstellen. Zumindest fast. Irgendwie schlug der Versuch fehl, aber „manchmal entwickelt es sich erst noch“. Und das tat es, aber nicht in der Hand des Zauberers oder in der der Zuschauerin. Sondern dort, wo schon lange ein Bild auf seine Farbe gewartet hatte. Zu Recht hat der Magier mit dieser Nummer vor einem halben Jahr den Titel des Deutschen Vizemeisters der Zauberei in der Sparte Parlour Magie (Salonmagie) erhalten; eine traumhafte Illusion mit vielen kleinen, tollen Effekte, einer schönen musikalischen Akzentuierung und einer großartigen sprachlichen Umsetzung.


Sowieso ist das ein Paradebeispiel für das Steckenpferd des Unnaers: Seine Mischung aus Zauberei, Comedy und Storytelling zusammen mit seiner charmant-frechen Art ist anders und irgendwie einzigartig.


Wer sich einmal das abendfüllende Programm des jungen Zauberkünstlers ansehen will, sollte einmal hier schauen: http://marcoweissenberg.de/


Unter anderem ist Marco mit der Premiere seines neuen Programms „Wunderkind“ am 03.03.2018 im Theater im Walzwerk zu sehen.

Wohl zur Begeisterung des Publikums hatte Theaterleiter Marco Seypelt noch einen Überraschungsgast aufgetrieben. Mentalist Rainer Mees war bereits bei der ersten Ausgabe des ZauberWerks dabei.


Bei seinem heutigen Auftritt, den Marco Seypelt am Klavier begleitete, erbat der Magier zunächst die Mithilfe dreier Zuschauer. Nacheinander sollten sie an eine Person denken und an eine dazu stimmige Emotion. Dafür bekamen sie einen Würfel, dessen Seiten mit verschiedenen Gefühlen bestückt war, und den sie mit der passenden Seite nach oben in der Hand verstecken sollten. Mit Präzision konnte Rainer die Gefühle bestimmen, und sogar noch mehr: Namen, Beziehungen, Momente. Sogar ein Datum las er aus den Gedanken einer Zuschauerin. Doch den beeindruckensten Effekt behielt er bis zum Schluss. Denn das Datum befand sich nicht allein im Kopf der Zuschauerin und im Mund des Zauberkünstlers, sondern an einem absolut unmöglichen Ort. Und so hinterließ der Mentalmagier die Zuschauer emotional, entsonnen, mit fragenden wie staunenden Blicken.


Ein tief beeindruckender Auftritt des bekannten Mentalisten, der unter anderem Mitorganisator ist von einer der größten Conventions für Mentalmagier in Europa, der MindSummit.

Wer die Show begonnen hat, beendet sie oft auch. So betrat noch einmal Till Frömmel die Bühne. Und er hatte etwas mitgebracht, was bei den Zuschauern sicherlich großen Anklang fand: Süßigkeiten. Ein paar davon warf er zunächst ins Publikum. Ein Bestechungsversuch? Vier Bonbons behielt er, drei grüne und ein rotes. Nun versuchte er zu erraten, in welcher Hand einer der Zuschauer dieser eines der Bonbons versteckt hatte. Obwohl der Zuschauer es ihm sehr schwer machte und alles dafür tat, den Magier zu verwirren, brachte Till die Nummer mit seiner unterhaltsamen und sympathischen Art zu einem guten Ende.


Und noch etwas hatte der junge Zauberkünstler in seinem Bühnenbild versteckt: Luftballons. Tricks mit Luftballons gibt es viele. Auch, dass sich der Zuschauer einen Ballon aussuchen sollte, den er mitnehmen durfte, und welcher aus der Bühne bleiben sollte, war nicht weiter spektakulär. Aber: Die Vorhersage, die Till zuvor getroffen hatte bezüglich des Ballons, der auf der Bühne verblieb, stimmte genau. Dass sich allerdings etwas, das der Zauberer verloren hatte, ohne es zu merken, in dem Ballon befand, war offenbar auch für ihn sehr überraschend. Aber war es denn so gar nicht kalt am Fuß?


Till Frömmels Zauberei ist definitiv etwas Besonderes. Der Bad Doberaner ist wuselig, redet schnell und sein Lachen ist ansteckend. Und zwischen all diesen sympathischen Charakterzügen schafft der Zauberkünstler auf seiner Bühne eine magische, traumhafte und unterhaltsame Atmosphäre, in der sich jeder nochmal wie ein Kind fühlen, und sich manchmal sogar so benehmen darf. Wer einmal die Möglichkeit hat, Till auf der Bühne zu sehen, sollte sich die Chance nicht entgehen lassen! Termine findet man unter http://tillfroemmel.com.

Als sei das alles noch nicht großartig genug gewesen, überraschten die beiden Zauberkünstler Marco und Till das Publikum noch mit einer der selten auf der Walzwerk-Bühne zu sehenden Großillusion.


Für eine Zaubershow wie in Las Vegas, so Till, brauche man immer Kisten, Reifen, Tücher - und Tiger. Auch klassisch ging es weiter: Tiger brüllt, kommt in die Kiste, Musik, Zauberkünstler auf die Kiste, ein bisschen mit den Tüchern gewackelt, und schon war es passiert: Tiger und Zauberer tauschten die Plätze. Wer sich jetzt um die Sicherheit des Pulheimer Publikums sorgt, dem sei gesagt: Sorgen sind unbegründet, denn ihn Ermangelung eines echten Tigers und zur Belustigung der Zuschauer (und des Zauberers Till) wurde Marco mittels Kostüm zu einem entzückenden Tiger degradiert - oder befördert, je nach Sichtweise.


Das Kunststück selbst stammt aus Tills besonderer Galashow im letzten Jahr - umso stolzer kann das Theater im Walzwerk sein, dass die beiden jungen Magier den zweiten Auftritt damit beim ZauberWerk bestritten haben. Sehr lustig, sehr süß und tierisch beeindruckend! Rawr!

Auch diese Ausgabe des ZauberWerks bot einen abwechslungsreichen Abend voller Magie, Comedy und durchweg tollen Künstlern in der schönen Atmosphäre des Pulheimer Theaters. Das nächste ZauberWerk findet am 21.12.2017 statt.