In der März-Ausgabe waren zum einen das Zauber-Duo „Die AndersArtigen“ sowie der Taschendieb Giovanni Alecci zu Gast.

 

„o.b. das stimmt?“

Christian Gadow und Phil Schmitz, zusammen „Die AndersArtigen“, waren bereits zum zweiten Mal auf der Bühne des ZauberWerk. Dennoch stellten sie sich und ihre Kunst in einem besonders kreativen und schrägen Intro nochmals vor. Da wurde sofort klar: Die beiden sind keine einfachen Magier; sie verbinden Comedy und Zauberei in ihrer ganz eigenen Art.

Die beiden Zauberkünstler begannen ihre Show direkt mit großen Versprechungen. Christian wolle an diesem Abend dem größten Entfesselungskünstler, Harry Houdini, nacheifern – und Phil dabei direkt einbinden. Von zwei Zuschauern ließen sie sich Handfesseln anlegen und stiegen in den „Tunnel des Todes“; eine Stoffbahn in der, sobald sie hochgezogen wurde, skurrile Dinge geschahen, sogar abseits von dem eigentlichen Effekt.  Das Publikum jedenfalls brachten sie mit dieser Einstiegsnummer zum Lachen und vorallem auch zum Staunen, als sie sich nach einigen vermeintlichen Schwierigkeiten tatsächlich aus Handfesseln und Sacko befreit hatten.

Den nächsten Trick hatten die beiden wohl gerade erst geliefert bekommen und wollten ihn nun zum ersten Mal vor Publikum vorführen. Zum Leidwesen des Zuschauers, von dem sie sich einen Schuh ausborgten. Der verblüffende Effekt blieb zunächst beinahe aus, als Christian nicht ganz den Anweisungen folgte, die Phil aus der mitgelieferten Anleitung vorlas. Doch dank einer guten Versicherung und einer magischen Geste gelang es ihnen doch, den Schuh trocken und (fast) leer wieder an seinen Besitzer zurück zu geben. Sehr zur Freude von Phil, für den dabei ein Becher Sekt raussprang.

Phil erzählte, er sei ein wahrer Autogrammjäger. Er habe sich nun zu diesem Zweck ein besonderes Sammelheft mitsamt entsprechenden Karten besorgt. Und daraus haben er und Christian ein mentales Kunststück entwickelt. Eine Zuschauerin ließ er eine der Karten zufällig ziehen und im Buch die entsprechende Seite aufschlagen. Es mag an der Maskierung gelegen haben, dass Christian die Gedanken der Zuschauerin nicht zu lesen vermochte – die dennoch positive Auflösung des Kunststücks kam aber ebenso überraschend wie zum Schreien komisch.

Doch die beiden können auch ruhigere Töne anschlagen. Zwei wirklich magische und schöne Illusionen, die auch ein bisschen zum Nachdenken anregen, brachten „Die AndersArtigen“ vor der Pause noch auf die Bühne. Ob der Tisch, der in Phils Händen federleicht zu werden schien, oder der Sand, der symbolisch für die Zeit stehen sollte, und sich scheinbar unendlich vermehren ließ – allzu ernsthaft sollte es nicht sein, aber ein bisschen träumen konnte man dabei doch.

Nach der Pause betrat zunächst der zweite Künstler des Abends die Bühne. Beziehungsweise, ein vermeintlicher Polizeiaufruf kündigte das Erscheinen des Gesuchten mit italienischer Herkunft und „polierter Glatze“ an.

„Als ich Taschendieb war, sind mir früher alle Frauen in Scharen hinterher gelaufen – seit ich keine Handtaschen mehr klaue hat das abrupt aufgehört.“

Giovanni Alecci ist wohl einer der gewieftesten und zugleich sympathischsten Taschendiebe überhaupt.

Mit einigen mehr oder weniger Freiwilligen wollte er den Zuschauern verdeutlichen, wie genau ein Taschendieb vorgeht. Wie er etwa in der Bahn versehentlich anstößt – oder wie er etwa durch absolut geschickte Ablenkung und zur größten Unterhaltung des restlichen Publikums den Freiwilligen mehr als nur ihre Geldbeutel abnahm.

Entgegenwirken wollte Giovanni aber dem Eindruck, den er einem Zuschauer unterstellte: „Du hast Dir auch gedacht, ‚Was ist’n das für einer; der kann ja gar nicht zaubern.‘“ Was Taschendiebstahl mit Spielkarten zu tun haben kann, zeigte der Künstler einem Zuschauer am eigenen Leib. Das Fazit: Eine Spielkarte passt durchaus auch in die Kartenfächer eines Portmonnaies – wenn die entsprechende Karte zuvor klammheimlich entfernt wurde. Eine sehr beeindruckende und tolle Nummer, die Zauberei und unterhaltsamen Taschendiebstahl miteinander verbindet!

Gekonnte Täuschung spielt eine große Rolle beim Taschendiebstahl wie auch in der Zauberei. Das bewies Giovanni mit einem Kunststück, das auf den ersten Blick vielleicht wie eine etwas kompliziertere Schwammball-Routine wirken konnte. Auf den zweiten Blick jedoch handelt es sich dabei um eine großartig vorgeführte Täuschung, bei der vorallem der Zuschauer auf der Bühne hinters Licht geführt wird – während alle anderen wissen, wie es funktioniert. Verstehen kann man es dennoch kaum, denn zu dieser Nummer gehört wohl eine Menge Fingerfertigkeit und viel Konzentration. Das in einer derart lockeren und unterhaltsamen Weise vorzuführen ist eine tolle Leistung!

Für sein letztes Kunststück des Abends bat Giovanni einige starke Männer auf die Bühne, mit denen er ein besonderes Experiment vorhatte. Wofür Uri Geller mittlerweile vielerseits belächelt wird, brachte Giovanni auf eine neue Ebene: Das mehrdimensionale Verbiegen von Gabeln in den Händen der Zuschauer mit solchem Tempo und scheinbar völlig ohne Zutun des Künstlers sorgte zu recht für offene Münder und Ratlosigkeit. Wer einmal die Gelegenheit hat, diesen Trick hautnah zu erleben, sollte sich Chance nicht entgehen lassen – zumindest, wenn er einmal wirklich sprachlos sein möchte.

Überhaupt ist Giovanni Alecci ein mehr als sehenswerter Künstler, der mit seiner charmanten, rotzfrechen und unterhaltsamen Show die Begeisterung des Publikums auf seine Seite zieht. Mehr über Giovanni gibt es hier https://zauberevent.de/ zu erfahren oder auf seiner brandneuen Facebook-Seite www.facebook.com/taschendiebstahlexperte/

Für den Beginn ihres zweiten Auftritts hatten „Die AndersArtigen“ einen „Gastkünstler“ engagiert. Der Mentalmagier „Nudella“, der verblüffende Ähnlichkeit mit einem anderen Künstler des Abends hatte, wollte sich für die Zuschauer in große Gefahr begeben. Aber nicht allein. Der Nagel, der in einer von fünf Papiertüten versteckt war, schien für den aus dem „fernen Ostblock“ angereisten Künstler doch ein zu großes Risiko, dass er nicht selbst tragen wollte. So musste sein orientalischer Gehilfe Mutuswami als Versuchskaninchen herhalten, der es mit Hilfe der weiblichen Intuition einer Zuschauerin zwar schaffte, der Gefahr zu entgehen, aber dennoch höchst empört war. „Was stimmt nicht mit Dir, Meister?“

Die Darbietung dieser beiden Rollen stellt meiner Meinung nach in der Show der „AndersArtigen“ einen besonderen Höhepunkt dar, zu dem ein verblüffender Trickeffekt und vorallem eine grandiose schauspielerische Leistung gehören.

Auch „Die AndersArtigen“ wollten sich an einer Nummer mit Besteck versuchen. Gar nicht so einfach sei es, einen Löffel ohne Zuhilfenahme der Hände im Mund umzudrehen. Geschafft haben sie es aber, und setzten zudem noch einen unerwarteten Effekt oben drauf.

Zu guter Letzt wollten die beiden Zauberkünstler noch von ihrem Urlaub in Las Vegas berichten. Sehr eindringlich sogar, zeigten sie dem Publikum doch ganz typische Illusionen aus der Stadt der Superlative. Selbst ein großer Käfig und ein halbierter Künstler fehlten dabei nicht. Keine Sorge, Phil war nachher auch wieder ganz, wenn auch etwas wackelig auf den Beinen. Eine tolle Umsetzung von kleinen Großillusionen auf einer kleinen Bühne!

Lustig, abwechslungsreich und sympathisch-chaotisch sind nur einige der Begriffe, die „Die AndersArtigen“ und ihre Kunst beschreiben können. Zusammen haben sie eine einzigartige Show entwickelt, die von ihrem lieben, lustig-verpeilten Miteinander und ihrer Leidenschaft für die Zauberei lebt. Zwei wunderbare Künstler, die ich sehr gerne jederzeit wieder auf der Bühne sehen würde!

So etwa am 22.09.2018; dann sind sie mit ihrem kompletten Soloprogramm im Theater im Walzwerk.

Wer bis dahin noch mehr über das Zauberduo erfahren möchte, sollte einmal hier stöbern: www.dieandersartigen.de/

Als kleine Überraschung bat am Ende der Show Marco Seypelt noch den Mentalisten Goran Dujic auf die Bühne. Er war an diesem Abend eigentlich nur zum Zuschauen gekommen; verblüffte aber dennoch spontan das Publikum mit einer kleinen eindringlichen Vorführung darüber, wie man Handlungsmuster lernen und beeinflussen kann – und wie man das zu seinem Vorteil nutzt. Wenn es etwa darum geht, die PIN-Nummer eines Zuschauers aus seinen Gedanken zu lesen – und das sehr frech, präzise und verblüffend schnell! Auch über Goran, einen der wohl besten Mentalmagier Deutschlands, gibt es einiges zu lesen auf seiner Internetseite http://gd-magie.de. Es lohnt sich!

Diese Ausgabe des ZauberWerks hat in meinen Augen besonders bewiesen, wie gut unterschiedlichstee Sparten der Zauberei in einer Mixshow auf ein und derselben Bühne funktionieren können – wenn man dafür die richtigen, großartigen Künstler hat!

 

Danke an dieser Stelle an Marco Seypelt für die Moderation und Tanja Lokietz für die Fotos!