In der April-Ausgabe 2018 des ZauberWerk waren diesmal die Zauberkünstler Timothy Thomson, Arnd Clever und Alexander Lehmann zu Gast.

 

 

„Das ist der absolute Hammer!“

Der junge Zauberer Timothy Thomson hatte die Aufgabe, die Show an diesem Abend zu beginnen und abzuschließen.

Er verblüffte das Publikum sofort zu Anfang mit einem Sektglas, das aus einem scheinbar leeren Umschlag erschien.

Für das Kunststück „mit dem verschwundenen Geldschein“ lieh sich Timothy einen Geldschein aus dem Publikum. Der Titel der Nummer versprach nicht zuviel, nur das Wiederauftauchen kam in diesem Titel ja nicht vor. Falls das Geld nach dem Kunststück nicht wieder auftauchen sollte, so versprach der Zauberer, wolle er dem Verleiher den Inhalt aus seiner Fragezeichen-Tüte überlassen.

Um die Gedanken des Publikums aber erst einmal davon abzubringen, nahm der Künstler seine Zuschauer mit auf eine Zeitreise. Ein Kartenkunststück, vom Mischen der Karten bis zum Schlussapplaus völlig auf den Kopf gestellt, mit großartigen Effekten und einer wunderbaren Geschichte, gehört zu den besten Kunststücken des Magiers. Nicht zuletzt der Effekt, bei dem das Kartenspiel seine zu Anfang gezeigte Beschaffenheit der „New Deck Order“ wieder annimmt, verblüffte das Publikum sehr.

Fast schon wollte Timothy die Bühne verlassen; doch um seine Schulden kam er nicht herum. Der Zuschauer musste sich mit dem Inhalt der Fragezeichentüte zufrieden geben. Was ihm sicher leichter viel, als er feststellte, was tatsächlich mehr noch als Vitamin C in dem fruchtigen Inhalt steckte.

In der zweiten Hälfte seines Auftritts „outete“ sich der Lüdenscheider dann als „Wunderverkäufer“, seiner Paraderolle in der Zauberkunst. Er sei der „Staubsaugervertreter unter den Zauberern“, und wolle das auch dem Publikum demonstrieren.

Preise etwa spielen eine große Rolle in der Verkaufswelt. Er ließ sein Publikum schätzen, was sein neuer Anzug gekostet haben könnte. Und wie richtig diese damit lagen, bewies er sogar mittels des originalen Preisschilds – gleich neben dem Sicherheitsetikett. „Ich verrate Euch: Soviel habe ich dafür nicht bezahlt.“ Aber behalten will er es trotzdem – auch, wenn ein Zuschauer fand: „Die siehst aus wie ein Kommunionskind.“

Über einen Anzug sollte auch eine Preisverhandlung zweier Zuschauer gehen, die Timothy anleitete. 100€ zählte er als Startpreis in 10€-Scheinen ab, 10€ sollte der Käufer als Trinkgeld für den guten Preis drauflegen. Doch je öfter die beiden Zuschauer zählten, umso mehr Geld verschwand dabei. Der Zauberkünstler, sichtlich irritiert, packte das restliche Geld sicherheitshalber beiseite. „Vielleicht liegt es aber auch an der Luftfeuchtigkeit“, vermutete Timothy, und hatte letzendlich sogar mehr Geld in der Hand als zuvor. Soviel dazu, ob Zauberer auch Geld zaubern können.

Sein letztes Kunststück kann man zu Recht als Meisterstück seiner Show bezeichnen. Selbst, wer den Trick mit der wandernden Flasche schon einmal gesehen hat, hat ihn mit Sicherheit so noch nicht gesehen.

Zunächst aber sinnierte der Künstler darüber, dass der Trend, alles im Internet zu bestellen, sich von den Katalogen wegbewege. Das stimme ihn traurig, denn er habe tolle Kindheitserinnerungen daran. Deshalb hat er sich Gedanken darüber gemacht, wie die Neuauflage eines Kataloges, etwa eines Weinkataloges, aussehen könnte: Bebilderung mittels Gedanken und eine Kostprobe direkt aus dem Katalog.

Weine werden, erzählte Timothy weiter, heute aber auch über andere Kanäle verkauft. Unter anderem etwa das Teleshopping. Das demonstrierte der Künstler in einer rasanten, herrlich überzogenen Darstellung des Geschenkpakets der „wandernden Weinflasche“ – inklusive Mitmachteil, Flaschenmarkiereraktion und einem plötzlich überraschend aufgedrehten Timothy. Vielfach höre ich, wenn Timothy diese Nummer spielt, wie begeistert Menschen darüber sind, wie sehr er mit dieser Routine über sich hinaus wächst. Und das stimmt: Nicht nur, dass es sicher eine Herausforderung ist, so lange so laut zu sprechen, ohne dabei an Konzentration und Enthusiasmus zu verlieren. Auch zeigt es eine Seite, die viele den seriös gekleideten „Wunderverkäufer“ wohl zuerst gar nicht so zutrauen würden.

Timothy ist in der Sparte der Salonmagie noch relativ neu. Doch ich bin sehr sicher, dass er damit einen ziemlich guten Weg eingeschlagen hat; seine Kreativität, seine charmante Art und seine Bühnenpräsenz sprechen dabei für sich.

Mehr über den „Staubsaugervertreter der Zauberkunst“ gibt es aus der brandneuen Webseite zu lesen unter www.timothy-zauberei.de.

 

 

„Hokus Pokus Omnibus – 3x schwarz gefahren“

Der zweite Künstler, Arnd Clever, der ebenfalls aus Lüdenscheid stammt, hat sich der Verbindung aus Musik und Zauberei verschrieben. Seine Nummern sind aber nicht einfach Routinen, die zu Musik vom Band gezaubert werden; sondern vielmehr kleine, ganz eigene Kunststücke.

Doch zunächst wollte der Zauberer dem Publikum verdeutlichen, was neben Geschicklichkeit und dem Künstler beim Zaubern das Wichtigste sei: Ablenkung. So zeigte Arnd ein Verschwindekunststück mit einem Stift und einem Holzapfel; was sich zwar unspektakulär anhört. Der eigentliche Ablenkungseffekt bestand aber darin, dass der Künstler am Ende der Routine auf einmal eine andere Krawatte trug.

Nun aber zeigte Arnd, was ihn und seine Kunst so einzigartig macht. Mit einem selbstgeschriebenen Text zu einem alten Werbesong stutzte er ein Seil, ließ Knoten durch den Raum fliegen und sogar einen Elefanten erscheinen…im weitesten Sinne. Eine wirklich tolle und kreative Nummer, die eine Seilroutine mal von einer ganz anderen Seite zeigt.

Er habe, so erzählte der Zauberer dann, einige Jahre in Tibet verbracht. Die Kampfkunst, die er dort gelernt habe, wollte er gerne auch mit seiner Zauberei verbinden. Mit einem Tuch um den Kopf demonstrierte er dem Publikum zunächst einige Figuren. Dann aber ging es ihm um die Mentalität: Mittels eines Tuchs erklärte er, die Hoffnung, als grüner Rand des Tuchs, soll größer sein als die Weisheit, als weißes Feld in der Mitte des Tuchs.

Den Kartentrick, den er dann mit einer zufällig gewählten und unterschriebenen Karte vorführte, nennt er selbst die „Kartenratekaraterakete“. Darunter mag man sich vorstellen, was man will. Der Effekt jedoch, der dieses Kunststück abschließt, ist aber ebenso verblüffend wie tiefgreifend, darüber hinaus sehr unterhaltsam und kreativ.

Sein besonderes musikalisches Talent bewies Arnd mit einer Neuinterpretation von „Stand by me“ mit seiner Loop-Station – und einem sehr agilen roten Lichtpunkt.

Dass Kreativität generell sein Steckenpferd zu sein scheint, bewies Arnd auch im zweiten Teil seines Auftritts. Da trug er ein Lied vor, dass sich mit dem „Zauberer“ beschäftigt; mit einem süßen, durchaus ernst zu nehmendem Text, und dazu einer Nummer, die an Unterhaltsamkeit kaum zu überbieten ist.

Es folgte ein „Trickverrat“ á la „Magier mit der Maske“, der selbst den Klassiker des Tuch-Ei-Tricks zu etwas besonderem machte.

Seinen Auftritt beschloss Arnd mit einer Nummer, die erklären sollte, warum Marius Müller Westernhagen keinen Erfolg damit hatte, Lieder für Zauberkünstler zu schreiben. Ob es an der Stimme oder den kuriosen Texten lag; so oder so ein sehr lustiger und skurriler Act.

 „Musik, die keiner mehr hören will mit Kunststücken, die keiner mehr sehen will“, ist eine Beschreibung, die Arnd zeitweise selbst für seine Kunst benutzt. Ganz unrecht hat er nicht, aber: Durch die Verbindung dieser beiden Dinge und seine Kreativität macht ihn das meiner Meinung nach zu einer der wenigen, die Klassiker mehr als gekonnt und nicht eine Sekunde langweilig auf die Bühne bringen.

Wer mehr über den großartigen Künstler wissen will, findet Infos unter: www.clever-entertaint.de

 

 

„Ich hatte einen Traum, einen sehr spirituellen Traum – und Du bist darin vorgekommen!“

Der letzte Zauberer an diesem Abend war Alexander Lehmann. Der extra aus Nürnberg angereiste Künstler hat seine Zauberei unter das Motto „Zaubern ohne Hasen“ gestellt – und das gelingt ihm ziemlich gut.

Begonnen hat er mit einem scheinbar alltäglichen Kartentrick. Die von Zuschauer gewählte und unterschriebene Karte wandert in die Tasche des Zauberkünstlers. Angeblich durch einen Geheimgang im Ärmel. Viel erstaunlich war jedoch der Schlusseffekt, bei dem nicht die gesuchte Karte sich in der Tasche befand, sondern etwas wesentlich Unterwarteteres.

Er habe sich, erzählte Alexander, schon immer gefragt, was es mit dem Geheimnis der Damenhandtaschen und deren Inhalt auf sich hat. Die Masse an Dingen, die dort reinpasst, hat ihn wohl zu einer ganz besonderen Nummer inspiriert. Mit Hilfe von Holzpuzzleteilen verschiedener Größe und Form, gefüllt mit allem, was man in einer Damenhandtasche finden könnte, wollte er auch den Männern dieses Geheimnis erschließen. Er zeigte aber, dass es für Frauen kein Problem sei, auch das Zeug, dass Männer den Frauen gerne noch mit aufs Auge drücken, problemlos in ihren Taschen verwahren können. Ein wenig Umräumen, aber in den Rahmen einer Handtasche passt es allemal trotzdem. Eine lustige und sehr kreative Variante eines Klassikers der Zauberei.

In der zweiten Hälfte seines Auftritts widmete sich Alexander der Mentalmagie. So las er etwa aus den Gedanken eines Zuschauers, in welcher Hand er eine Münze hielt. Oder war das doch bloß Statistik?

Zudem ließ er einen Zuschauer ein Wort zufällig aus einem Buch aussuchen, dass er dann aus dessen Gedanken bestimmte.

Alexander selbst als überaus sympathischer und schlagfertiger Künstler bringt alles von Mentalmagie, Klassiker und Innovationen wunderbar auf die Bühne und unterhält zudem mit einer Mischung aus fast unfreiwillig anmutender Komik und ernsthafter  Zauberei – und das ganz ohne Hasen.

Weitere Infos über Alexander gibt’s unter: www.zaubern-ohne-hasen.de/

 

 

Die April-Ausgabe des ZauberWerk war mit diesen drei Zauberkünstler großartig besetzt. Einmal findet das ZauberWerk vor der Sommerpause noch statt, bei dem ich leider selbst nicht anwesend sein kann. Danach geht es erst wieder im September weiter.

Danke an dieser Stelle schon einmal an alle Künstler, die im Zauberwerk in der vergangenen Spielzeit zu Gast waren und jeden Abend einzigartig gemacht haben; an alle Menschen an Ton, Licht, Kamera sowie Stagehands und Gastronomie-Helfer, die die Abende so rund laufen ließen; und natürlich an den Theaterleiter Marco Seypelt, der der Zauberkunst eine so schöne Bühne bietet! Ich freue mich bereits auf die nächste Spielzeit!