Am 20.09.2018 fand nach 3-monatiger Sommerpause wieder das „ZauberWerk“ statt. Die monatliche Mixshow feierte in diesem Monat ihren 5. Geburtstag. Bis Mai 2017 als „Köhler am Werk“, wird sie seit September 2017 als „ZauberWerk“ weitergeführt, die Organisation liegt in der Hand des Theaterleiters Marco Seypelt.

Dieser moderierte auch im September wieder den Abend, an dem diesmal vier Künstler dabei waren. Alle im weitesten Sinne Zauberkünstler, wie Marco in seinen Anmoderationen erklärte, aber doch so unterschiedlich, dass der Abend zu etwas Besonderem wurde. Mit dabei waren nämlich der Zauberkünstler Oliver Jelias, Bauchredner Tim Becker, Mentalist Rainer Mees und der Musiker Felix Janosa.

 

Den Anfang machte Oliver Jelias. Der junge Zauberer hat sich vorallem der Manipulation, also der „Magie der Fingerfertigkeit“ verschrieben, was er bei seinem Auftritt auch in unterschiedlichster Weise präsentierte. So betrat er die Bühne mit besonderen Requisiten, die durch das erzeugte im wahrsten Sinne Lichtspiel schon zu Anfang zu einer zauberhaften Atmosphäre beitrugen.

Daraufhin folgte dann die Paradedisziplin des Kölners, die Manipulation, ganz ohne ein Wort. Karten, Bälle und sogar ganze Taschenuhren flogen unsichtbar, verwandelten sich, lösten sich auf und erschienen in den Händen des Zauberkünstlers wie von ganz allein. Wer sich jemals mit dieser Form der Zauberei beschäftigt hat, weiß, dass das ganz und gar nicht von allein passieren kann – und sieht, dass Oliver diese Kunstform mehr als bemerkenswert beherrscht. Dazu kommt sein feinfühliger Umgang mit Musik und Mimik, sodass ein Sprechpart gar nicht vonnöten war.

Dass auch die Sprechzauberei ihm nicht fernliegt, bewies der Zauberer im Anschluss aber doch, als er in einem mentalen Kunststück aus einer von Zuschauern zufällig getroffenen Auswahl das richtige Requisit aufspürte. Zu seinem Glück, hatte er den beteiligten Zuschauern doch bei einem Fehlschlag seinerseits ein Geschenk zugesprochen (welches die Bühnengäste aber im Anschluss dennoch erhielten).

Auch in der zweiten Hälfte hatte Oliver die Sprache zunächst aber wieder abgelegt, um sein Publikum zu einem Ausflug in eine eigens kreierte Szenerie zu entführen. Zwischen Bäumen und Gezwitscher vollbrachte der Zauberkünstler etwas sehr Magisches mit etwas eigentlich sehr einfachem, nämlich Wasser. Eine unterhaltsame, aber ruhig-angenehme und vorallem verblüffende Nummer.

Aber auch ein bisschen von der schrägen Art, die man eigentlich bei jedem Magier irgendwo findet, hatte Oliver im Gepäck, und zwar in Form eines skurrilen flauschigen (nicht wirklich lebendigen) Begleiters, der sogleich in einer lustigen Nummer als Bühnenassistentin herhalten musste. Aber auch, wenn es dabei um Kopf und Schnauze ging, hat er letztendlich alles gut überstanden.

Lustig kann der Kölner Zauberkünstler auch, doch seine Besonderheit liegt in meinen Augen woanders, besonders im Vergleich zu anderen Manipulatoren: Das Spiel mit starker Mimik (geschuldet wohl auch seiner schauspielerischen Ausbildung), das Spiel mit Musik, Licht und Szenenbildung, das die Fantasie schweifen, und gerade noch so viel Raum lässt, um die beeindruckende Fingerfertigkeit des jungen Zauberers nicht untergehen zu lassen. Ein großartiger Magier, den wir zum Glück sehr bald wieder auf der Bühne dieses Theaters begrüßen dürfen.

www.oliverjelias.com

 

Der zweite Künstler des Abends war der Mentalmagier Rainer Mees. Er habe, so erzählte Marco in seiner Anmoderation, den Weg des Theaters bis zu einer Bühne für Zauberei schon von Anfang an begleitet und sei deswegen ein gern gesehener Gast, besonders bei dieser Jubiläumsshow.

Zwei vermeintlich kleine Kunststücke hatte der Mentalist an diesem Abend dabei. Das erste, von Marco am Klavier begleitete, Kunststück stellte die außergewöhnlichen Hintergründe menschlicher Sympathie in einer zugleich beeindruckenden, erschreckenden und berührenden Nummer dar, welche den Saal sprachlos wie selten zurückließ. Ein Kenner mag sich vom „Trick“ wenig verblüfft zeigen. Die Geschichte, die jedoch dahintersteht, und die Art, wie Rainer daraus viel mehr macht als einen „Trick“, ist Grund genug, es als einzigartig zu bezeichnen.

Und auch bei seiner zweiten Hälfte knüpfte der Mentalist an diese Art an. Mit einem Ring und einer Kette nämlich ließ er eine Zuschauerin der Empfindung von Missvertrauen und Vertrauen ganz nah sein, passierte nach einer bewegenden Geschichte der bedeutungsschwere Effekt doch in ihren eigenen Händen.

Varianzen der Effekte, die der Mentalismus hervorbringt zu finden ist nicht das einzige, was Rainers Magie besonders macht. Vielmehr noch ist es die Präsentation, die es außergewöhnlich macht. Im krassen Gegensatz etwa zu einem Manipulator, dem man genau auf die Finger sieht, sucht der Mentalmagier in den Köpfen und irgendwie auch den Herzen der Menschen nach etwas, das er mit den Erzählungen und den Effekten seiner Kunststücke für sich einnehmen kann. Und das übertrifft das Lesen aus den Gedanken von Zuschauern bei weitem.

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Der Bauchredner Tim Becker war der dritte Künstler des Abends. Tim stellt auf der Bühne wie kaum ein anderer die unbestreitbare Tatsache dar, dass Menschen, die mit Puppen reden, irgendwie nicht alle beisammen haben (obwohl Tim zu sagen pflegt, er habe sogar ziemlich viele…).

Zunächst aber berichtete der Bauchredner über seinen Werdegang; über seine Kindheit, sprechende Tiere im Zooladen und wie er zu einem ganz besonderen Kameraden gekommen war, den auch an diesem Abend bei sich hatte. Mit der Ratte Konstantin Opel sprach er über dessen bisheriges Leben, sein Hausboot in Berlin mit einer „scheiß(-) Aussicht“, seiner grenzwertigen Erfahrung mit Tierversuchen, bei denen auch Helene Fischer eine Rolle spielte, und seiner Karriere als nicht ganz kollegialer Musicalstar.

Die zweite Figur der ersten Hälfte hatte weniger zufällig den Weg zu Tim gefunden. Tim habe nämlich, so berichtete er, auch als Zauberer angefangen, und habe sich einen entsprechenden Assistenten zugelegt: Einen Zauberhasen. Dass dieser aber nicht annähernd so ruhig und niedlich wie die meisten seiner flauschigen Kollegen ist, für diesen Eindruck brauchte das Publikum keine 30 Sekunden. Der grimmige Blick des zerzausten Kaninchens zusammen mit der ruppigen Art und den Zweifeln an den magischen Fähigkeiten seines „Arbeitsgebers“ machten seinen Auftritt zu einer sehr unterhaltsamen Begegnung für alle. Außer für Tim, der unter der durchweg schlechten Laune seines Bühnenpartners leiden musste, egal, ob es um den Umgang mit dem Publikum ging oder einer im wahrsten Sinne peinlichen Berührung im Zauberzylinder.

Auch für den kleinen Hunger hatte Tim vorgesorgt; doch der Donut, der er dabei hatte, war aus vielerlei Gründen nicht wirklich zum Verzehr geeignet. Zu niedlich sah er aus, und hätte beim Essen vermutlich doch zu sehr gejammert. Aber redegewandt wie er war, machte es großen Spaß, die Unterhaltung zwischen ihm und dem Bauchredner über das Intimleben eines Donuts und seine Verwandten in verschiedenen Teilen der Erde zu lauschen.

All diese Figuren und einige weitere tauchen auch auf in der aktuellen Soloshow der Bauchredners „Tanz der Puppen“ auf. Ein ganz neuer Charakter, der erst im neuen Solo einen festen Platz bekommt, holte Tim noch zu sich auf die Bühne. Noch kaum fertig und ziemlich textunsicher stellte sich diese neue Figur dar, gehetzt ob des straff durchgetakteten Tages und in Ermangelung von Zeit doch eher schwermütig, kam man trotzdem nicht umhin, ihn sofort gern zu haben.

Tim Becker hat definitiv das, was einen Bauchredner ausmacht: Charakter, eigentlich sogar mehrere Charaktere; Kreativität, Charme und die Fähigkeit, durch seine Kameraden einfach Dinge mal so auszusprechen, wie sie manchmal ausgesprochen werden müssen. Aber das ganz ohne den Hang zu Humor und unterhaltsamem Chaos zu verlieren.

www.sprechenderbauch.de

 

Als Special Guest war bei dieser Show der Komponist und Pianist Felix Janosa dabei. Der Komponist des Kindermusicals „Ritter Rost“ begeisterte an diesem Abend zum Wiederbeginn nach der Pause das Publikum zwar nicht mit Kinderliedern, dafür aber mit einer skurrilen musikalischen Reise durch das Periodensystem, einem irgendwie-Mitmach-Lied und einem wirklich außergewöhnlichen Medley der 99 größten Hits aller Zeiten. Aber nicht etwa die, die in jeder Chartshow zu finden sind, sondern Lieder aus allen möglichen Zeiten, Jahrhunderten sogar, und Genres, was eine sprachliche und musikalische Verknüpfung schwieriger, in diesem Fall aber umso beeindruckender und unterhaltsamer macht. Ein toller Auftritt, der neugierig macht auf seine Soloshow „a little bit to radical“ am 23.11.18 im Theater im Walzwerk.

www.felixjanosa.de

 

An dieser Stelle ein Dank an alle Künstler, die diesen Jubiläumsabend ganz besonders, abwechslungsreich und tatsächlich ganz und gar magisch gemacht haben.

Und Dank an alle unzähligen Zuschauer, die jemals unsere gemütliche Theateratmosphäre genossen haben; an alle fast zählbaren Künstler, die in fünf Jahren Zaubermixshow das Publikum begeistert, unterhalten und mitgerissen haben, für jede Träne und jedes Lachen und jedes Staunen; an Christopher Köhler, der vier Jahre lang die Show als „Köhler am Werk“ moderiert und initiert hat; an das ganze Technik- und Serviceteam des Theater im Walzwerk, ohne welche Gäste hungrig und durstig und Künstler unsichtbar und stumm geblieben wären; und vorallem an Marco, der nicht nur seit einem Jahr das „ZauberWerk“ moderiert, sondern vorallem in seinem Theater der Zauberei seit fünf Jahren eine wunderbare Bühne bietet. Auf die nächsten fünf Jahre „ZauberWerk“!

Weiter geht es am Donnerstag, den 18.10.2018.