Am 20.12.2018 fand das letzte ZauberWerk in diesem Jahr statt. Noch einmal gab es eine bunte Mischung vieler Sparten der Zauberei – mit dabei waren Eike L. Sell, Marco Weissenberg, Till Frömmel, Chris Calvin und der Moderator Phil Schmitz.

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„Spürst Du schon was?“ „Ja, aber nicht in der Hand…“ „…“

Moderiert wurde auch diese Ausgabe des ZauberWerk von Phil Schmitz. Mit Plastikbechern, roten & runden Bällen, einer eigenen Version von „50 Shades“ samt Fesselspuren und natürlich den extrem aufgeschlossenen und schlagfertigen Zuschauern führte Phil durch den Abend. Er hat abermals bewiesen, dass er als Verbindungsglied zwischen den einzelnen Auftritten und zur Erhaltung und Auflockerung der Stimmung wunderbar geeignet ist. Somit dürfen wir hoffen, den unterhaltsam-zerstreuten, sympathischen Zauberkünstler noch häufiger auf der ZauberWerk-Bühne begrüßen zu dürfen.

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„Ich besuch Euch dann mal zu Hause!“

Der erste Künstler des Abends stand zum ersten Mal auf der Bühne des Theater im Walzwerk. Eike L. Sell sieht zugegebenermaßen auf den ersten Blick nicht aus wie ein Zauberkünstler, und erst recht nicht wie ein Mentalist. In legerer Kleidung, mit Jeans und Basecap, stellte er sich dem Publikum vor. Seiner Darbietung machte das jedoch gar nichts aus, im Gegenteil. Es nahm der zuweilen durchaus sehr mystischen, schweren Mentalmagie ihren Schrecken.

Er begann mit einem Klassiker der Mentalzauberei, bei dem er aus den Gedanken einiger Zuschauer zufällig aus einem Buch gewählte Worte oder ganze Sätze las. Schon bei diesem Kunststück fiel eine der Besonderheiten seiner Präsentation auf: Er greift nicht allein auf „typische“ Bilder des Gedankenlesens zurück (wie die Vorstellung eines Wortes als Leuchtreklame); vielmehr bringt er die Zuschauer dazu, sich ganze Bilder, Geschichten und Gefühle vorzustellen, um ihre Gedanken erfassen zu können.

Dies spielte auch eine große Rolle bei seinem folgenden Kunststück. Dabei ging es um das besondere Gefühl, das man mit Gegenständen verbindet, die nur einem allein gehören. Damit gelang es dem Osnabrücker, seine eigene und die Intuition der Zuschauer richtig tippen zu lassen.

Weniger passend bei dieser und nachfolgender Präsentation schienen mir jedoch die Informationen, die er vermeintlich ebenfalls aus den Gedanken der Zuschauer entnahm, die er nicht wissen konnte, die aber auch nicht auf ihre Richtigkeit hinterfragt wurden. Charaktereigenschaften oder persönliche Erlebnisse preiszugeben kann mitunter gerade als Gedankenleser sehr beeindruckend sein – aber auch nur dann, wenn man sich dieser Dinge auf welchem Weg auch immer absolut sicher sein kann.

Auch in der zweiten Hälfte seines Auftritts befasste sich Eike näher mit den Gedanken seines Publikums. Bei einem imaginären Besuch bei einigen Zuschauern zu Hause las er aus deren Vorstellung den Inhalt eines besonderen Bildes.

Einer weiteren Zuschauerin bescherte der Mentalmagier einen besonderen Moment, als er ihr verdeutlichte, wozu die Gedanken an jemanden, dem man vertraut fähig sein können.

Insgesamt bot Eike Mentalmagie mit einer soliden Mischung aus Kreativität und Klassik, und eine angenehme Präsentationsweise. Lediglich das vermeintliche Lesen, vielmehr Raten von Informationen über Zuschauer ging etwas zu weit, wenngleich es sehr beeindruckend gewesen wäre, wenn es denn stimmt.

http://www.eikelsell.de

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„Hat mir der Show gar nichts zu tun, ich werd‘ einfach nur gern gestreichelt.“

Das zweite Mal in diesem Jahr war Magie-Newcomer Marco Weissenberg beim ZauberWerk dabei.

An diesem Abend hatte er eine Reihe neuer Kunststücke dabei, sowohl aus seiner aktuellen Tourshow „Wunderkind“, mit der er im März in unserem Theater Premiere feierte, als auch bisher im Walzwerk ungezeigte Nummern.

Zunächst wollte Marco mit einem Klischee aufräumen. Das „Ärmeln“, also das verstecken oder hervorholen von Gegenständen im oder aus dem Ärmel, hinge Zauberkünstlern noch immer nach. Um dem entgegen zu wirken, ließ er von einer Zuschauerin gründlich seine Ärmel untersuchen. Anscheinend leer, zog der Zauberkünstler dennoch etwas daraus hervor, dass man eigentlich schwerlich übersehen konnte.

Dann präsentierte Marco seinen Zuschauer ein „Las Vegas-reifes“ Kunststück, das dem beteiligten Zuschauer zunächst die Nervosität ins Gesicht trieb; so sehr, dass dieser nach dem Tiger als Alternative verlangte. Begnügen musste er sich aber mit einem Kartenspiel und ganz besonderer Ausrüstung, um sich bei der Durchführung dieses „spektakulären“ Kunststückes zu schützen. Als Marco schlussendlich die vom Zuschauer frei gewählte und unterschriebene Karte erwischt hatte, war das Erstaunen beim Bühnengast wie auch beim Publikum umso größer.

In der zweiten Hälfte hatte der Unnaer Magier ein brandneues Kunststück dabei, das an diesem Abend Bühnenpremiere feierte. Dabei ging es um die Frage, wie ein Zauberkünstler auf seine Kunststücke kommt, wie ihn selbst täglich anfallende Arbeiten dazu inspirieren können, und wieviel Geschick es manchmal braucht, um aus Alltagsgegenständen etwas zu bauen, das die Zuschauer ganz und gar erstaunt.

Wie nicht anders gewohnt zeigten auch die Neuheiten im Repertoire des jungen Zauberers, dass einfaches Vorführen von Tricks ihm nicht genügen. Durch Geschichten, passende Musik und locker-frechen Humor wird jedes seiner Kunststücke tatsächlich zu einem Stück Kunst. So freuen wir uns sehr darauf, Marco im Januar abermals mit seinem Soloprogramm „Wunderkind“ im Theater im Walzwerk begrüßen zu dürfen, zusammen mit weiteren seiner gesammelten Wunder.

https://marcoweissenberg.de

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Auch im letzten Monat bereits dabei und an diesem Abend spontan eingesprungen war Till Frömmel. Der Bad Doberaner war zum Glück in der Gegend unterwegs und konnte so für einen ausgefallenen Kollegen einspringen.

Bei seinem Kunststück ging es um etwas, das Menschen jeden Tag tun, und der Reaktion des Publikums nach häufiger als erwartet. Dabei ging es weder ums Essen noch ums Atmen, sondern ums Lügen. Till hatte sich an diesem Abend vorgenommen, einen Lügner zu enttarnen. Immer sollten die Zuschauer mit „Nein“ antworten, einer von Ihnen, der mit dem Geldschein versteckt in der Hand nämlich, würde auf jeden Fall lügen. Zur Belustigung des Publikums und zur Verwirrung des Zauberkünstlers kam von einem jungen Zuschauer aber ein „Ja“ – gelogen hatte dieser aber trotzdem, was Till auch sofort erkannte. Um dem erfolgreichen Enttarnen der Lügern noch einen Draufzusetzen, las der Magier zu guter Letzt noch etwas aus den Gedanken einer beteiligten Zuschauerin, das ebenfalls mit dem entliehenen Geldschein zu tun hatte, präzise und somit für das Publikum sehr erstaunlich.

Man merkt, dass die Zuschauer zu recht begeistert sind, wenn der „Wirbelwind des Nordens“ in Pulheim zu Gast ist. Die schnelle Sprechweise mag manch einem teilweise Schwierigkeiten bereiten, dem Ganzen zu folgen; die Effekte der Kunststücke sprechen aber ihre eigene Sprache, die jeder versteht, der sich einlässt auf den Zauber des diesmal vom Moderator ernannten „Tornado des Westens“. Wir steigern uns! ;)

Auch Till ist im kommenden Jahr mit gleich zwei Shows im Theater im Walzwerk zu Gast. Am 23. März spielt er nicht nur abends seine Soloshow „Augenblicke“; davor gibt es noch nachmittags sein Kinderprogramm „Hingeschaut“ für Kinder ab 6 Jahren - und natürlich auch „erwachsene“ Kinder. Wir freuen uns sehr auf den Tag mit dem wuseligen, liebenswerten Zauberkünstler mit dem Punkteshirt und der roten Fliege!

http://tillfroemmel.com/

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„Ich hatte Dir einen magischen Moment versprochen – das war er!“

Auch der letzte Künstler des Abends war bereits in diesem Jahr beim ZauberWerk dabei. Der Kölner Chris Calvin beginnt die meisten seiner Auftritte im Dunkeln, mit dem Anzünden eines Streichholzes. Was ihn zur Zauberkunst gebracht habe, erzählt er, nachdem er aus einem Überraschungseffekt heraus einen Brief hervorholt, sei sein Opa gewesen. Durch ihn habe er viele magische Momente erlebt. Und so lässt Chris es sich nicht nehmen, dies nun auch an seine Zuschauer weiterzugeben. Was ihn dazu veranlasst, eine Zuschauerin bange zu machen um ein Schmuckstück. Dinge eins nach dem anderen verschwinden zu lassen. Nur um sie dann allesamt, gesammelt und fein säuberlich geordnet, an einem kuriosen Ort wieder zu finden.

Die Bühnenperson des Zauberkünstlers wirkt dabei elegant, sehr gediegen, aber eben auch mit dieser schelmischen Freude im Gesicht über die Verwunderung der Zuschauer. Unbestreitbar hat Chris Spaß daran, Menschen zu verblüffen, und das Publikum lässt dies auch allzu gern zu. Doch fast noch schöner sind die Momente, in denen der Zauberer kurz aus seiner Rolle ausbricht, mit unerwarteten Geschehnissen umgeht, auf die er zumeist auch einen neckischen Spruch zu antworten weiß. Diese Lockerheit tut seinem Auftritt gut und lässt ein bisschen Einzigartigkeit zu in einem so routinierten Kunststück. Irgendwie ist es die Mischung aus ausgewählten Texten und dem spontanen Eingehen auf das Publikum, das Chris‘ Zauberkunst sehr eindringlich und besonders macht, und das jedes Mal aufs Neue.

https://www.chris-calvin.com/

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Der Abend endete mit einem letzten Auftritt des Moderators Phil Schmitz. Zugleich als Jahresabschluss vom ZauberWerk schenkte er, gemeinsam mit Theaterleiter Marco Seypelt am Klavier, den Zuschauern, besonders aber einem kleinen Mädchen, einen magischen Moment auf der Bühne, und entließ so das Publikum in eine entspannte und zauberhafte Weihnachtszeit.

An dieser Stelle sei einmal ein Dank ausgesprochen an alle, die das ZauberWerk im vergangenen Jahr mitgestaltet haben. Das Team, das jedes Mal die Zuschauer mit Karten, Getränken und unserer altbekannten Currywurst versorgt; an alle, die sich um die Technik im Haus kümmern, und so für Licht und Ton, sowie Bildaufnahmen der Shows sorgen; an alle Künstler, die jedes ZauberWerk neu gestalten und so jeden Abend besonders machen; und nicht zuletzt an alle Zuschauer, egal ob Einzel- oder Wiederholungstäter, die unser Theater und die Künstler jedes Mal so begeistert unterstützen. Es macht jeden Abend wieder Spaß! Vielen Dank für das vergangene Jahr; wir freuen uns auf ein weiteres mit unserer monatlichen Zaubermixshow, immer am 3. Donnerstag im Monat, und gerne wieder mit Ihnen im Publikum!