Am 17. Januar fand das erste „ZauberWerk“ des neuen Jahres statt – und war direkt ein mit unterschiedlichsten Charakteren und Sparten gemischter Abend. Mit dabei waren Moderator Phil Schmitz zusammen mit seinem Kollegen Christian Gadow von „Die AndersArtigen“, der Mentalist Carsten Lesch und der Newcomer Lukas Knipping.

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Den Anfang machte, und daran könnte man sich wirklich gewöhnen, der Zauberkünstler Phil Schmitz. Diesmal aber gemeinsam mit Christian, hatten sie einige Nummern aus ihrem „andersartigen“ Repertoire aufgefahren. Das unsichtbare Kartenspiel, das eine Zuschauerin regelrecht zur Verzweiflung, und herzlich zum Lachen, brachte; die Opferrolle eines Zuschauers, der mit einem kalten Fuß und die Dichtigkeit seines Schuhs bangen musste, und einem Meisterstück der beiden chaotisch-liebenswerten Zauberer, das Schlüpfen von Christian und (ungewollter Weise) auch Phil in die gefesselten Fußstapfen von Harry Houdini. Damit zogen die AndersArtigen das Publikum schon zu Beginn des Abends tief hinein in die Kuriositäten der Zauberei, gespickt mit reichlich schrägem Humor und Selbstironie.

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So war es, wenngleich er das wohlmöglich auch selbst geschafft hätte, dem nächsten Künstler ein leichtes, das Publikum für sich zu gewinnen. Lukas Knipping ist blutjunger Newcomer auf den Theaterbühnen, und stand somit auch zum ersten Mal auf der des Theater im Walzwerk.

Wie jeder große Zauberer in seinen kleinen Anfängen hatte auch bei ihm alles mit einem Traum begonnen, symbolisiert durch eine Seifenblase. Damit der größte Traum von einer Zaubershow in Las Vegas nicht gleich wieder platzte, wollte er das das nötige Kleingeld sammeln. Dazu habe er eine völlig neuartige Technik entwickelt, eine skurrile Mischung aus moderner Technik und einem uralten Zauberkunststück, dem der kreative Neuanstrich, und der neue Name, ausgesprochen gut stehen.

Die weitere erste Hälfte seines Auftritts war gefüllt mit einem Kunststück, das für die ihn die Anfänge in der Zauberei bedeutet und ein Seil, einen Zuschauer und ein lustiges Verknotungsspiel beinhaltet; das zutiefst erstaunte Gesicht eines Bühnengastes, der einen Beweis für seine Beteiligung unerwartet in seiner Hand wiederfand; und den Einsatz einer Fernbedienung, genauer gesagt einer Rückspultaste, bei einem meiner persönlich liebsten Effekte.

Schon in dieser ersten Zeit auf der Bühne zeigte sich Lukas‘ Nervosität, die er aber durch Sympathie und eine erfrischende Mischung aus jugendlichem Leichtsinn und wirklich tollen Effekten bestens überlagerte.

Die zweite Hälfte seines Auftritts begann sehr still, aus zweierlei Gründen. In den ersten Moment nämlich sollte die ganze Aufmerksamkeit dem roten Lichtpunkt gelten, den Lukas zwischen seinen Händen und durch sich hindurch wandern, fliegen und schließlich verschwinden ließ. Zum anderen hatte er sich vorgenommen, ein Kunststück auf die Bühne zu bringen, bei dem er nicht sprach; bei dem letztendlich die beteiligte Zuschauerin offenbar nervöser war als der Künstler selbst, das aber dann doch noch ein Ende voller offener Münder nahm.

Die aber großartigste seiner Routinen hatte sich Lukas für den Schluss aufgehoben. Ein Zauberwürfel war Gegenstand dieser letzten Nummer; ein Zauberwürfel, der nicht nur in den Händen des Zauberkünstlers, sondern auch in denen eines Zuschauers seine Verfassung änderte, wie immer Lukas es wollte, um nicht zuletzt genau der Position zu entsprechen, die schon heimlich den ganzen Abend versteckt im Bühnenbild zu finden gewesen war.

Ich denke, eines der Rezepte, die Lukas die Gunst des Publikums einbrachte, ist, dass er sich trotz seines jungen Alters nicht auf händlerfertige Kunststücke, vorgeschriebene Texte und die immer gleichen Gags versteift. Nervöse Finger lassen einige Griffe „fummelig“ wirken, und Füllworte findet man bei ihm zwar noch zu Hauf‘; beides trübt den Eindruck seiner Performance aber nicht. Den „Welpenschutz“, den junge Zauberer seitens des Publikums oftmals genießen, hat der Bocholter Magier schlichtweg nicht nötig. Er besticht seine Zuschauer, und eben auch die skeptischen, allein durch seine offene, respektvolle, aber sehr unterhaltsame Bühnenpersönlichkeit, die gerne zusammen mit seinem Sinn für eigene Präsentationen wirklich wunderbarer Grundlage für seinen weiteren Weg sein darf, den ich mit Spannung weiter verfolgen werde. Und bis dahin behalte ich gerne die letzte Seifenblase in Erinnerung, die Lukas zum Ende seines Auftritts vor dem Platzen bewahrte.

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Der dritte, oder besser gesagt vierte, Künstler des Abends was der Mentalist Carsten Lesch. Er war das erste Mal überhaupt bei der neuen Auflage des ZauberWerk dabei.

In einigen Experimenten widmete sich der „Gedankenkünstler“, wie er sich selbst auch nennt, dem, was Gedanken für ihn bedeuten – Gefühle, Erinnerungen; etwas, was schwer greifbar ist, mit dem Carsten aber umso mehr zu spielen und zu verblüffen versteht.

So ließ er etwa die Zeit im wahrsten Sinne für und durch eine Zuschauerin still stehen, und das genau im richtigen Moment. Er demonstrierte seine Fähigkeit, wie durch die Augen eines anderen zu sehen, wenn seine eigenen geblendet sind, und erreichte damit ob der detailverliebten und ruhigen Darbietung vorallem das ungläubige Staunen des beteiligten Zuschauers.

Nicht zuletzt zeigte der Kölner Mentalist ein aufwendiges und ebenso beeindruckendes Kunststück das, wie so viele seiner Kunststücke, mit einer Geschichte begann. Der Geschichte um einen sagenumwobenen Fund, der auf viele Umwege letztlich zu ihm gelangt war, und ihm nun als eine schwer zu begreifende Mischung auf Bühnenpartner und Requisit diente. Eine scheinbare Verbindung zwischen diesem und einer Zuschauerin und die damit einhergehenden Übereinstimmungen einer uralten Vorhersage mit den Handlungen des Abends machten irgendwie Gänsehaut. Besonders, wenn man nur einen Moment in Erwägung ziehen konnte, dass die Legende vielleicht stimmt, und dieses Kunststück den Beweis einer wirklich magischen Kraft hinter all der Erzählung geliefert hatte – wenn auch nur in den Köpfen der Menschen, die sich auf etwas derart Mystisches einlassen wollten.

Carsten jedenfalls besticht mit einer angenehm ruhigen, aber doch nicht zu ernsten Art, die es ihm leicht macht, einen Draht zu seinem Publikum aufzubauen. Und auf diesem Draht bewegt er sich in und durch die Köpfe seiner Zuschauer, entnimmt ihnen Gedanken, die stets für erstaunliche, bewegende, aber nie unangenehme oder allzu beängstigende Momente sorgen.

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Wie auch begonnen beendeten den Abend „Die AndersArtigen“. Zum Ende hatten sie sich noch einmal einige besondere Kunststücke aufgehoben. Christians ersten Zaubertrick, der aber nicht in jedermanns Hand das gewünschte Ende nahm; eine allzu skurrile Version eines der gefährlichsten Zauberkunststücke der Welt, dass an diesem Abend zwar mit einem „Erste Hilfe-Kasten“, aber auch mit einer großen Überraschung, und somit gut für alle, ausging; und selbst ein bisschen Las Vegas-Kisten-Trickserei gab es für das immer noch bestens gelauten Pulheimer Publikum, bei dem sich Phil als be- und durchstechend kühner Showstart und Christian als reizende Assistentin versuchten.

Das einmalig-kuriose Miteinander verbunden mit lockerem Humor aber auch wirklich verblüffender und schöner Zauberei machen die Auftritte der „AndersArtigen“ immer wieder sehenswert und anders – aber garantiert nie wirklich artig!

www.dieandersartigen.de

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Der Auftakt in ein neues Jahr mit dem „ZauberWerk“ ist mit vielen unterschiedlichen Facetten der Zauberei auf der Bühne bestens gelungen. Wir hoffen sehr, alle bekannten Zuschauer einmal wieder zu sehen und viele neue für das Liveerlebnis der Magie begeistern zu können – danke an alle Künstler, die ihren Teil zu diesem Vorhaben beitragen!

Das ZauberWerk findet auch 2019 von Januar bis Mai und von September bis Dezember immer am 3. Donnerstag im Monat statt!