Am 21.03.2019 hatten sich wieder zauberbegeisterte Zuschauer und unterschiedlichste Künstler zum „ZauberWerk“ in Pulheim eingefunden.

Mit dabei waren diesmal dabei das ZauberDuo „Die AndersArtigen“, Close up-Zauberer Philo und Überraschungsgast und Mentalist Timon Krause. Moderiert wurde der Abend vom „Wirbelwind des Nordens“ Till Frömmel.

Die Sicherheitshinweise kamen diesmal nicht von Theaterleiter Marco Seypelt, sondern von den als Feuerwehrmänner hergerichteten AndersArtigen Christian Gadow und Phil Schmitz in einem unterhaltsamen Eröffnungskunststück.

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Till Frömmel führte nicht nur in gewohnt flinker, aber sympathischer Weise die Zuschauer als Moderator durch den Abend, sondern unterhielt das Publikum selbst mit kurzen Kunststücken; einem sprichwörtlichen Ass aus dem wortwörtlichen Ärmel, einer ungewohnt abwechslungsreichen Seilnummer und einem überaus schmerzhaft aussehenden, aber für die Bühnengäste umso spaßigerem Entfesselungskunststück.

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Wer den muskulösen und tätowierten Philo sieht, vermutet allen Klischees nach erstmal keinen Zauberer. Doch wenn man genau hinsieht erkennt man sie auf seinen Armen; die „52“, die Anzahl von Karten in einem Pokerdeck, sogar die Kartensymbole auf seinen Armen. Philos Hauptaugenmerk liegt eigentlich in der Close up-Zauberei, also der Zauberei hautnah an den Menschen, was er auch so großen Teilen vor der Show im Foyer bewies. Doch auch auf der Bühne des Theater im Walzwerk und seinem ausverkauften Saal schien er sehr gut anzukommen. Mit einem weniger passenden Gag begann er seinen Auftritt, begab sich dann aber in eine ihm besser liegende, ruhigere Stimmung. Diese nutzte er, um mit Hilfe von Büchern das Lesen von Menschen, ihrer Körpersprache und Gedanken zu demonstrieren; um eine außergewöhnliche  Geschichte um das Schicksal eines Spielkartenherstellers zu erzählen, mit Karten als Sinnbild eines Lebens, und einem Feuer als Zeichen der Zerstörung, aber auch des Wegs, um alles zu einem guten Ende zu führen. Eine aufwendige, aber unglaublich kreative Art, einen in sich deutlich unspektakuläreren Effekt einen Rahmen zu geben!

Philo wirkt im Auftreten sehr gediegen, verwendete fließende Sprache und gestikuliert sehr ruhig. Ab und zu fällt er aus seiner Rolle, ihm entwischt ein lockerer Spruch, der seine Performance auflockert, um sie nicht zu ernst zu nehmen. Er verpackt Effekte und selbst Schwierigkeiten sehr geschickt in seine mitreißende, unterhaltsame Art, und hat sich so an diesem Abend einen Namen im ZauberWerk-Publikum gemacht.

Ab April begibt sich Philo im Theater im Walzwerk an jedem 3. Mittwoch im Monat an einen Tisch mit kleinem, zauberinteressiertem Publikum zu einem besonderen Close up-Abend. Wir freuen uns sehr, ihn für dieses Showprojekt gewonnen zu haben, und sind gespannt auf diese besonderen Abende.

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Einen starken Kontrast zur eher ruhigen Präsentation von Philo bildeten „Die AndersArtigen“. Weniger schnell vielleicht als der wirbelige Till, aber dafür auch noch schräger.

So schlüpften sie in der ersten Hälfte in die Rollen des ungewollt lustig-verstörenden Mentalisten „Nudella“, direkt angereist aus „dem fernen Ostblock“ um zur Unterhaltung des Publikums ein gefährliches Kunststück zu präsentieren, und seinem exotischen Assistenten „Mutuswami“, welcher letztlich der war, der dem Großteil der Gefahr ausgesetzt wurde, und darüber völlig zu recht entrüstet erwiderte „Meider, bid Du bescheuter?“ Eine grandiose Nummer mit beachtlicher schauspielerischer Leistung und schönen Effekten, die man sich wirklich immer wieder anschauen kann.

In der zweiten Hälfte traten die beiden Zauberer dann wieder als sie selbst auf – „Die AndersArtigen“, dessen Qualität, „Stihl“ und „Niveau“ doch über Freischwimmer und Geburtstagszauberer hinaus gehen. Nicht nur wagten sie ihre Version eines der gefährlichsten Kunststücke der Welt, dem Kugelfang, bei dem dank eines aufmerksamen Ersthelfers Künstler, Zuschauer und Ring wieder unbeschadet herauskamen. Auch brachten sie mit einer neuen Großillusion ein Stück Las Vegas nach Pulheim; zwar mit unspektakulär aussehenden Pappkisten, aber umso spektakulärerem, und zuweilen unerwartetem Inhalt.

„Die AndersArtigen“ und ihre besondere Art der Interaktion miteinander und dem Publikum, ihre liebenswert-chaotischen Persönlichkeiten und sehenswerten Kunststücke auf der ZauberWerk-Bühne zu haben war mal wieder ein großes Vergnügen!

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Der letzte Künstler war ein Überraschungsgast, der sich erst kurz vorher angekündigt hatte: Mentalist Timon Krause. Hatte er erst im Februar sein Soloprogramm im Walzwerk gespielt, kam er nun noch einmal wieder, um auch das ZauberWerk-Publikum zu verblüffen. Er bewies, dass Mentalisten Taschendieben gar nicht so unähnlich seien – beide stehlen, die einen Geldbörsen, die anderen Gedanken. Und manche wohl auch beides. Und er machte sich daran, einen hypothetischen Konflikt zwischen zwei Menschen zu lösen, indem er mit ihnen eine Wette abschloss. Eine, die er eigentlich nur mit viel Glück gewinnen konnte, bei der aber letztlich doch eher Menschenkenntnis und ein ziemlich guter dramaturgischer Aufbau die größere Rolle zu spielen schien. Ein wohl neues Kunststück, dessen hinführende Geschichte mich nicht wirklich überzeugte, aber dessen Durchführung und Effekt wirklich spaßig und verblüffend war.

Timon ist zu recht ein hoch angesehener Mentalist, schöpft aus dem doch überschaubaren Repertoire mentalmagischer Effekte mit Hilfe seiner Präsentationen großartige Kunststücke. Wenngleich er auch durch seinen zeitweise kalten, aber nicht plumpen Humor nicht nur überzeugt, sondern durchaus polarisiert: Begeistert hat der das Pulheimer Publikum in jedem Fall ein weiteres Mal.

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Wo also flinke nordische Moderation, wunderbare Kunststücke und ihre Geschichten, skurrile effektvolle Zauberei und beeindruckende Mentalmagie aufeinandertreffen, befindet man sich zuweilen im immer wieder abwechslungsreichen und lohnenswerten ZauberWerk. Danke an alle Künstler und natürlich unsere Zuschauer!